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ARMEE IM SCHATTEN (L'Armée des Ombres)

Regie: Jean-Pierre Melville. Mit Lino Ventura, Simone Signoret, Paul Crauchet u.a. Frankreich 1969. 145 Min. OmU

Auf Anregung von Prof. Michael Rohrwasser zeigen wir begleitend zum Seminar „Der Verrat in Literatur und Film“ am Institut für Germanistik Jean-Pierre Melvilles „L’Armee des Ombres“ mit Lino Ventura und Simone Signoret.

18.1.2018 - Filmbeginn: 18.00 Uhr

 

Trailer:

http://www.filmstarts.de/kritiken/4248/trailer/19393387.html

„Kann man einen Film über den bewaffneten Widerstand gegen die Nazis mit den Mitteln des Genrekinos drehen? Kann man der französischen Résistance überhaupt gerecht werden, wenn man von ihren Kämpfen, Plänen, Aktionen in der nervenaufreibenden Form des Thrillers erzählt? Man kann! Wenn man Jean-Pierre Melville heißt und sich mit Filmen wie Der eiskalte Engel (1967) oder Vier im roten Kreis (1970) als Poet des Untergrunds in die Kinogeschichte eingeschrieben hat. Wie kaum ein anderer Regisseur versteht sich Melville darauf, die Handlung mit unerbittlicher Strenge auf ihre äußeren Abläufe zu konzentrieren und doch alles zu erzählen.

So folgt man in Armee im Schatten (Universal) aus dem Jahr 1969 einer Handvoll Widerstandskämpfer durch einen Alltag im Ausnahmezustand. Den Kontakt zu ihren Angehörigen haben sie abgebrochen, sie sind permanent unterwegs, ohne feste Bleibe. Verschwindet wieder einer von ihnen in den Lyoner Folterkellern der SS, wird er umgehend ersetzt. Ihre Beweggründe, in den Untergrund zu gehen, werden an keiner Stelle erwähnt. Dennoch schwingen sie in jeder Szene mit, in der Entschlossenheit der Gesichter, in der Konzentration und Präzision, mit der sie ihren Aufgaben nachgehen. Lino Ventura, der einen der Anführer spielt, wird während des Films kaum eine Miene verziehen. Er ist ein Kämpfer wider Willen, doch hundertprozentig der Sache verpflichtet. Ein Patriot, kein Militär. Das Töten eines jungen Verräters aus den eigenen Reihen bleibt für ihn eine schmerzliche, aber unerlässliche Angelegenheit. Wenn Melville die Exekution in aller Ausführlichkeit zeigt – das Knebeln und anschließende Erwürgen, um jeden Lärm zu vermeiden, die Tränen des Opfers –, verdeutlicht er nüchtern die Schuld, die jeder der Mittäter auf sich nimmt. Melville spricht seine Helden weder frei, noch verurteilt er sie. Von der Abscheulichkeit des Kampfes wird in Ellipsen erzählt: der einsam mitten auf der Straße liegende Hut eines gerade abgeführten Widerständlers. Der blutig herunterhängende Kopf eines Gefolterten, den der verhörende Deutsche kurz anhebt. Auch die große Liebe zwischen Ventura und seiner (großartig von Simone Signoret gespielten) Mitstreiterin Mathilde bedarf keiner Worte, man muss nur sehen, wie sich beide einen kurzen Moment lang in die Augen schauen. Melvilles Bild von Frankreich während der Okkupation kennt keine Perspektiven, keine Fluchtlinien, entsättigt sind die Farben.

Um von der bedrohlichen Stimmung in dem besetzten Land zu erzählen, braucht Melville nur einen einzigen Kameraschwenk. Man sieht den Arc de Triomphe im Morgengrauen und hört schon von Weitem Soldaten im Stechschritt marschieren. In Reih und Glied füllen sie langsam das Bild aus und marschieren direkt auf uns zu.“

Quelle: Anke Leweke, Die Zeit, 10.3 2011




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