BAZAR DER GESCHLECHTER

Regie: Sudabeh Mortezai. Österreich 2009. 75 Minuten. OmU.

bazar poster«Der Islam hat an alles gedacht», sagt ein alter Mullah grinsend. Die sexuellen Bedürfnisse des Menschen dürfen nicht ignoriert, sie müssen reglementiert werden. In der Islamischen Republik Iran geschieht das in großem Stil: Verschleierungspflicht, Geschlechtertrennung, Sittenpolizei. Und dann gibt es noch die Zeit-Ehe, Sigheh, eine schiitische Praxis, bei der ein Mann und eine Frau eine vor Gott und dem Gesetz anerkannte Ehe eingehen können, die von einer Stunde bis 99 Jahre dauern kann. Im heutigen Iran wird sie als legalisierte Form von Prostitution praktiziert, aber auch vermehrt von Paaren als Schlupfloch im System genützt, um unbehelligt von islamischen Sittenwächtern eine Beziehung zu leben. Im Bazar der Geschlechter eröffnet über persönliche Geschichten einen intimen Einblick in eine zutiefst zerrissene Gesellschaft, gekennzeichnet von Paradoxien und Doppelmoral.
„Das Private ist politisch. Nirgends ist dieser Satz so wahr wie in einer Gesellschaft, die sogar das Intimleben seiner Bürger mittels eines repressiven Regelwerks bestimmt. Das ist ein Film über Männer und Frauen, die sich ihre Rollen verhandeln und sich Freiräume in einem repressiven System schaffen. Die Ängste und Fantasien der Männer, die Härte der Lebensrealität der Frauen, und über all dem schwebend das religi¬öse Dogma, das zunehmend an Legitimität und Macht verliert." (Sudabeh Mortezai im Viennale Katalog 09)


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