LEIDER WURDEN BEIDE TERMINE VON CRISPIN GLOVER ABGESAGT!

Anstatt dessen zeigen wir am

18.5.2012 19.00 Uhr -  MODERN STONE AGE

Ein Filmprogramm von SOHO in Ottakring in Zusammenarbeit mit dem Admiral Kino
Im Anschluss Publikumsgespräche mit Regisseur Dariuz Kowalski und Kurator Steve Mathewson!

NATURAL

Regie: Michaela Mondi. 7 min. A 2011
Ein Naturereignis wird zum Zeugnis von Nicht-Sehen und Sehen durch das menschliche Auge/durch die Linse der digitalen Kamera. Erst durch Licht, in dem Fall das Blitzlicht des Gewitters, werden Konturen und Elemente sichtbar. Die so entstehende Umgebung und ihr O-Ton lassen Bruchstücke einer Erzählung erkennen, die der/die ZuseherIn für sich selbst interpretieren kann. Schnitt und O-Ton verdichten die Vorgänge zur vorliegenden Kürze der Videoarbeit.

INTERMEZZO

Regie: Norbert Pfaffenbichler. 2 min. A 2012
EVERYTHINGEine furiose Szene, virtuos neu montiert, sich immer mehr steigernd und doch nicht von der Stelle kommend. Ein kurzer Ausschnitt aus Charlie Chaplins The Floorwalker (Der Ladenaufseher, 1916) dient als Ausgangssequenz für INTERMEZZO. Chaplin auf einer Rolltreppe, damals Inbegriff mechanisch-technischer Modernität, gegen deren Lauf flüchtend vor einem monsterhaften Verfolger; daneben eine weibliche Schaufensterpuppe als statuarischer Kontrapunkt. Die Einstellungen, die Pfaffenbichler aus dem Originalfilm herausgelöst, vergrößert, teils ins Negativ gesetzt bzw. farblich verfremdet hat, sind nach einem besonderen Versschema geordnet: ABABA BCBCB DCDCD und so fort, wobei der gewählte Ausschnitt immer näher an das Geschehen heranrückt und die Verzahnung der Bilder immer vertrackter wird. Gleichzeitig geriert sich die begleitende Musik immer wilder und ungestümer, was dem rasenden Stillstand kongenialen Ausdruck verleiht. Die eigens komponierte Metal-Miniatur auf Gitarrenbasis (produziert von Sofa-Surfers-Mitglied Wolfgang Frisch) legt sich bewusst quer zu herkömmlicher Stummfilmbegleitung mittels Klavier oder zeitgemäßer Electronic. Dafür wird so der elementaren Bewegungsdynamik – Davonlaufen, Verfolgt-Werden, Nicht-vom-Fleck-Kommen etc. – eine umso eindringlichere Klangdimension verliehen. Furios auch das immer tiefere, mittels Blow-up bewerkstelligte Eindringen in den Lauf der Dinge: Dies geht gleichsam bis ins Herz der filmischen Optomechanik, die unserer trägen Wahrnehmung Bilder als Bewegung und Bewegungen als Bild eintrichtert. So unerbittlich die Rolltreppenmechanik im Lauf des Films näher rückt – am Ende bleibt davon nur noch eine Art abstraktes Kaderflimmern –, so erlösend wirkt die vielmalige Wiederholung zugleich. Gefasst werden und doch immer wieder entkommen – wie ließe sich der vom Film ausgelöste Betrachtereffekt besser (und heftiger) auf den Punkt bringen?
(Christian Höller)

CONFERENCE

Regie: Norbert Pfaffenbichler. 7 min. 2011
EVERYTHINGConference ist eine Studie über Repräsentation: im cutup/foldin-Verfahren vollzieht sich eine Dekonstruktion der Geste der Macht, beleuchtet in einer kaleidoskopischen Reihung kinematografischer Repräsentationen: diese Dekonstruktion führt in ihrer zunächst ironischen Leichtigkeit hin zu den Zeichen hinter den Zeichen, enthüllt sich letztlich, so wie ich das empfinde, als eine untergründige Anklage dieser Macht-Inkarnationen: und diese Anklage richtet sich auch an das Kino als mediale Prolongation dieser Mächtigkeiten, vielleicht intentional ähnlich der Godardschen Anklage, sicher aber anders umgesetzt als kurzer Metafilm, als Bemerkungen zum Kino, Notes on Film. (Bernhard Lang / Musik)

OPTICAL VACUUM

Regie: Dariusz Kowalski. 55 min. A 2008
EVERYTHINGNirgendwo wird die Rede vom "panoptischen Zeitalter", von einem Auge, das alles erfasst und selbst unfassbar bleibt, deutlicher, als in eben dem Medium, das Allgegenwart und Flüchtigkeit im globalen Maßstab umgesetzt hat: das Internet. Im Netz wird das bisherige Paradigma unserer bildgebenden Apparate hinfällig: Keine singuläre Zentralperspektive mehr, sondern Myriaden von Blickwinkeln, übertragen aus Webcams, die pausenlos Bilder in den digitalen Datenstrom pumpen. So ist das "Vakuum" im Titel von Dariusz Kowalskis 55-minütigen filmischen Essay keine Leere, sondern ein mächtiger Generator, eine unablässige Verdoppelung der Welt ins Bild.
Was so entsteht, ist eine Überwachung, die ihren alten Wortsinn wieder spürbar werden lässt: die Über-Wachheit, die Halluzinationen erzeugende Anstrengung, die ein Auge erleidet, das weder blinzelt noch schläft. Über Jahre hat Kowalski Bilder aus dem Strom gefischt, die wie eine Flaschenpost für niemanden gedacht waren und die jeder empfangen konnte. Wie Traumbilder gleiten sie an uns vorüber, ein oneirisches Panoptikum, in dem mitunter Momente irritierender Schönheit sichtbar werden.
Die Errettung der physischen Realität, die Kracauer sich noch vom Kinematographen erhoffte, hier geschieht sie als Aufnahme in die unermesslichen Archive des Cyberspace. Optical Vacuum eröffnet mit Ansichten endloser Reihen von Rechnern, den Bildspeichern des Internet.
Wie die Gartenlandschaften des höfischen Zeitalters folgen diese Serverparks einer strengen Geometrie, und auch sie vermitteln die Erfahrung der Welt durch das Sehen. Später zeigt Kowalski uns Winterlandschaften, Waschsalons, Arbeitsplätze, Spieltische. Das vom Künstler Stephen Mathewson eingesprochene Tagebuch eines Jahres liefert dazu das Protokoll einer Einsamkeit in einer Welt, die Menschen nur noch als flüchtige Schemen vor immergleichem Hintergrund kennt.
(Dietmar Kammerer)

 

Dieser Abend ist Teil des Projekts Modern Age, das Steve MathewsonGeorg Wasner und Götz Bury im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals SOHO in Ottakring zum Thema "Unsicheres Terrain" umgesetzt wird.

Neben den drei Filmabenden "Post-Apocalypse Non-Stop" und "Modern Stone Age" sind auch noch "The Missing Link Reception Area: Fire in the Steakhouse" und "Götz Burys neue (schöne) Steinzeit" in der Grundsteingasse 15 Teil des Konzepts.

 

Postapokalyptische Visionen, wie sie spätestens seit den 60er Jahren im Film auftauchen, die ein Bild des Lebens nach der Katastrophe zeichnen, das von wilder Archaik und dem Downcycling der Überreste einer zerstörten Zivilisation geprägt sind, stellen ein interessantes Ausgangsmaterial zur Abarbeitung der derzeitigen Stimmungslage dar. 

Sehr unsicher wirken in den letzten Jahren vor allem die Finanzmärkte, ein hochgradig abstraktes System, das nur noch durch die Vermittlung von Medien erfahrbar ist. Also ein Phänomen, das sich vor allem in den Köpfen abzuspielen scheint. Ein guter Nährboden für mehr oder weniger realistische Einbildungen. 

Diese, wenn auch oft abstrusen Phantasien, sollen aufgegriffen werden, denn Phantasie stellt ja gerade die Grundlage jeder vernünftigen Kunst dar.

http://www.sohoinottakring.at/blog/




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